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H.P. Blavatsky, collected writings – Band XII

 Buchbesprechung 

In diesem Monat erinnern wir uns besonders an H. P. Blavatsky, denn am 8. Mai 1891 verließ sie diese Welt. Bei der Besprechung des zwölften Bandes von H. P. Blavatsky, Collected Writings (Gesammelte Schriften) sollten ein paar Worte sowohl über sie als auch über die gesammelten Werke und ihren Herausgeber, Boris de Zirkoff, gebracht werden. 

Helena Petrovna Blavatsky wurde im Jahre 1831 in Südrußland in Ekaterinoslav am Dnjeper geboren. Sie war psychisch in hohem Maße sensitiv, ungestüm, unkonventionell und hatte ein großes Einfühlungsvermögen für die Armen und Notleidenden. Als sie siebzehn Jahre alt war, heiratete sie den Vizegouverneur Nikifor Vassilyevich Blavatsky. In den folgenden sechsundzwanzig Jahren reiste sie fast ununterbrochen an ungewöhnliche Plätze dieser Welt. Sie verhalf dazu, im Jahre 1875 die Theosophische Gesellschaft zu gründen und arbeitete bis zu ihrem Tode unablässig für die Sache der Bruderschaft und für die spirituelle Erleuchtung der Menschheit. Zu diesem Zweck schrieb sie Isis Unveiled und The Secret Doctrine (Die entschleierte Isis und Die Geheimlehre). Beides sind große, jeweils zwei Bände umfassende Werke, in denen sie die grundlegenden spirituellen Prinzipien erklärt, die der alten und neuen Religionsphilosophie und der Naturwissenschaft zugrundeliegen, und die die Entwicklung des Kosmos und des Menschen in Umrissen darlegen. Danach gab sie zwei kleinere Schriften heraus, The Key of Theosophy (Der Schlüssel zur Theosophie), eine einfachere Erklärung der Theosophie und der Ziele der Theosophischen Gesellschaft, und The Voice of the Silence (Die Stimme der Stille), ein kleines poetisches Erbauungsbuch für strebsame Schüler. Sie gründete auch zwei Zeitschriften: The Theosophist in Indien - diese Schrift gab sie von 1879-1885 heraus - und Lucifer in London, die während ihrer letzten Jahre 1887-1891 erschien. Die von ihr in diesen Zeitschriften herausgegebenen Berichte und Artikel befaßten sich mit einem weitgespannten Bereich an religiösen, philosophischen und wissenschaftlichen Themen, aber auch mit Tagesereignissen, die zu den theosophischen Bestrebungen in Beziehung standen. Um ihre Ausgaben bestreiten zu können, schrieb sie auch allgemein interessierende Artikel, besonders für russische Zeitungen und Zeitschriften. 

Boris de Zirkoff (1902-1981) veröffentlichte ihre Schriften in zeitlicher Reihenfolge in zwölf Bänden. Jeder Band enthält eine Chronologie der Ereignisse in der Geschichte der Theosophie, die in den betreffenden Jahren stattfanden, eine Bibliographie sowie ausgewählte biographische Anmerkungen. H. P. Blavatskys Hauptwerke The Secret Doctrine und Isis Unveiled sind in den Collected Writings enthalten, werden jedoch nicht als Teile in der Reihe mitgezählt; auch nicht Caves and Jungles of Hindustan (In den Höhlen und Dschungeln Hindustans), eine Sammlung von Aufsätzen aus russischen Zeitschriften und Zeitungen, in denen sich Tatsachen und Phantasie über ihre Erfahrungen in Indien vermischen. 

De Zirkoff begann im Jahre 1924 in Point Loma damit, H. P. Blavatskys Schriften zusammenzustellen, als er am Internationalen Hauptquartier der Theosophischen Gesellschaft wohnte. Im April 1930 wurde bekannt, daß A. Trevor Barker, der The Mahatma Letters to A. P. Sinnett (Die Mahatma-Briefe an A. P. Sinnett) gesammelt und herausgegeben hatte, und sein Freund, Roland A. V. Morris, von sich aus in England an demselben Vorhaben arbeiteten. Beide Parteien begannen zusammenzuarbeiten, und die ersten vier Bände sowie Isis Unveiled wurden 1933-1936 unter dem Titel The Complete Works of H. P. Blavatsky veröffentlicht, mit Trevor Barker als Herausgeber. Im Zweiten Weltkrieg wurden jedoch das gesamte Bücherlager und die Druckplatten, die im Besitz von Rider & Co. in London waren, zerstört. Es erschienen keine weiteren Bände bis Boris de Zirkoff im Jahre 1950 Band V unter einem neuen Titel H. P. Blavatsky Collected Writings herausgab, erschienen bei der Philosophical Research Society in Los Angeles, California. Später folgten nach und nach weitere Bände im Theosophical Publishing Hause, Wheaton, II. U.S.A. und Madras, Indien. Die Bände I-IV erhielten zusätzliches Material und wurden unter dem neuen Titel und in dem neuen Format nochmals herausgegeben. Die Bände, die noch herausgegeben werden sollen, werden das restliche Zeitschriftenmaterial, Dokumente und verschiedenartige Schriften enthalten. 

Der kürzlich veröffentlichte Band XII beschäftigt sich mit dem Zeitraum von November 1889 bis Dezember 1890. Wie in ihren anderen Schriften beeindruckt vor allem das vielseitige Wissen, das H. P. B. auf allen Gebieten besaß. Am bemerkenswertesten ist jedoch ihr großes Mitleid mit den Menschen. Sie bemühte sich, die Philosophie der Ewigen Weisheit so darzulegen, daß sie den Menschen, die verzweifelt danach suchten, etwas Licht und Verständnis bringen konnte. In "Recent Progress in Theosophy" (Der jüngste Fortschritt in Theosophie) schrieb sie für The North American Review (August 1890): 

Viele Jahre lang hat "die große Waise", die Menschheit, in der Dunkelheit laut nach Führung und Licht gerufen. Inmitten des zunehmenden Glanzes eines rein materiellen Fortschrittes und einer Wissenchaft, die den Intellekt nährte, aber den Geist hungern ließ, hat die Menschheit, die ihren Ursprung unklar erkannte und ihr Los ahnte, leere Hände nach dem Osten ausgestreckt, die nur eine spirituelle Philosophie füllen kann. Stöhnend unter den Spaltungen, den Eifersüchteleien und dem Haß, die ihr Leben zerstören, haben die Menschen nach einer sicheren Grundlage gesucht, auf der man die Gemeinschaft aufbauen könnte, nach einer metaphysischen Basis, auf der die erhabensten sozialen Ideen sicher emporwachsen könnten. Nur die Meister der östlichen Weisheit sind imstande, dieses Fundament zu legen, nur sie können gleichzeitig den Intellekt und den Geist befriedigen und können die Menschheit sicher durch die Nacht zur "Morgendämmerung eines größeren Tages" entgegenführen. 

- XII, 308 

Und wiederum zeigt sie in "The Tidal Wave" (Die Flutwelle) in ihrer Zeitschrift Lucifer (November 1889) ein tiefes Gefühl der Brüderlichkeit, und die Verwandtschaft des Menchen mit seiner göttlichen Quelle, wenn sie schreibt: 

Um das individuelle Leben mit seinen physischen, psychischen und spirituellen Mysterien ganz verstehen zu können, muß man sich mit aller Inbrunst in selbstloser Philanthropie und brüderlicher Liebe dem Studium und dem Verständnis des kollektiven Lebens oder der Menschheit widmen. Ohne vorgefaßte Meinung oder Vorurteil, auch ohne die geringste Furcht vor möglichen Ergebnissen in der einen oder anderen Richtung, muß man die tiefen innersten Gefühle und Sehnsüchte im großen leidenden Herzen der armen Menschheit entziffern, verstehen und im Gedächtnis behalten. Um das zu können, muß man zuerst "seine Seele mit der Seele der Menschheit in Übereinstimmung bringen", wie die alte Philosophie lehrt. Man muß die genaue Bedeutung jeder Zeile und jedes Wortes auf den sich schnell umblätternden Seiten im Lebensbuch der MENSCHHEIT beherrschen und völlig von der unbezweifelbaren Wahrheit durchdrungen sein, daß die Menschheit ein von ihrem eigenen SELBST untrennbares Ganzes ist. 

- XII, 4-5 

Aus den vielen interessanten Artikeln und Berichten, die die erste Hälfte des Buches enthält, können wir nur ein paar erwähnen, deren Titel den Inhalt andeuten: "1890! On the New Year's Morrow" (1890! Am Neujahrsmorgen), "The Cycle Moveth" (Der Zyklus dreht sich), "Why I Do Not Return to India" (Warum ich nicht nach Indien zurückkehre) - ein offener Brief, in dem sie ihre Ansichten über die Mitgliedschaft in der T. G. ungefähr ein Jahr vor ihrem Tod darlegte, der aber nie in Umlauf kam; "Black Magic in Science" (Schwarze Magie in der Wissenschaft), "Mistaken Notions on The Secret Doctrine" (Irrige Vorstellungen über Die Geheimlehre), "Capital Punishment" (Die Todesstrafe), "Science and the Secret Doctrine" (Wissenschaft und die Geheimlehre), "The Dual Aspect of Wisdom" (Der duale Aspekt der Weisheit), "Psychic and Noetic Action" (Psychische und Noetische Handlung) und "Hypnotism and its Relation to Other Modes of Fascination" (Hypnose und ihre Beziehung zu anderen Arten der Faszination). 

Band XII enthält als einziger H. P. Blavatskys Richtlinien für die Esoterische Abteilung der Theosophischen Gesellschaft. In einer längeren Einleitung gibt der Bearbeiter wertvolle geschichtliche Mitteilungen zur Gründung dieser Abteilung im Jahre 1888. Von den ersten drei Instruktionen gibt es mehrere Fassungen, aber de Zirkoff ist sorgsam darauf bedacht, die ursprünglichen Instruktionen wiederzugeben, die von H. P. Blavatsky geschrieben und unterzeichnet wurden. Nr. IV und V wurden dagegen aus Notizen zusammengestellt, die nach ihren Erklärungen bei privaten Treffen gemacht, und ohne ihre Unterschrift veröffentlicht wurden. 

Boris de Zirkoff verstarb am 4. März dieses Jahres (1981) und hinterließ die restlichen Bände der Reihe in abgeschlossener Manuskriptform. Die selbstgestellte Aufgabe, diese Werke zusammenzustellen und herauszugeben, ist ein Beweis für seine unerschütterliche Hingabe während einer Zeitspanne von siebenundfünfzig Jahren. Die Collected Writings sind das, was ihm vorschwebte und werden es bleiben: eine große Handbibliothek für alle Schüler, die sich mit der zeitlosen Weisheit bekannt machen wollen, und eine beredte Huldigung an diese rätselhafte und ungewöhnliche Menschenfreundin H. P. Blavatsky.