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„Sanfter Schlaf – der Pseudotod“

Im Schlaf sind wir etwas mehr als wir selbst, und der Schlummer des Körpers scheint nur das Wachsein der Seele zu sein.

Sir T. Browne

 

 

 

Wir haben alle Zutritt zu einem Wunderland, das uns Friede, Freude und Zufriedenheit gewährt, das dem Entmutigten Trost gibt und die Angst durch Stärke ersetzt, um den Dingen die Stirne zu bieten und sie zu überwinden. Paradoxerweise kann man jedoch diese uns allen gemeinsame Erfahrung nie mit jemanden teilen. Übersättigt von den Gedankenströmen und der zuweilen turbulenten Erregung, die während des Tages durch uns und um uns herum kursieren, nehmen wir von unserer Welt Urlaub und treten allein in die Stille ein.

Wie seltsam, daß wir ein Drittel unseres Lebens in einem Zustand verbringen, über den wir so wenig wissen! Der Schlaf ist ein Mysterium und ist als solches einzigartig, weil wir ihn im Gegensatz zu anderen Mysterien willkommen heißen und uns ihm ohne Furcht anvertrauen, während die genauso universale und nicht zu umgehende Aussicht auf den Tod gemischte Gefühle erweckt. Dabei scheint doch die Natur damit eine nächtliche Vorausbetrachtung vorzusehen, eine regelmäßig wiederkehrende Erholung für die Seele und den Körper, so daß wir die Pflichten des Lebens angemessen erfüllen und auch die Verbindung mit unserer wahren Quelle aufrechterhalten und ihre Beschaffenheit auf der Erde zum Ausdruck bringen können.

In vielen Teilen der Welt erforschen Wissenschaftler immer wieder die phänomenalen Erscheinungen des Schlafs einschließlich solcher Störungen wie Schlaflosigkeit und Narkolepsie (die Unfähigkeit wach zu bleiben). Sie studieren in den "Schlaflabors" an Menschen, die sich freiwillig zur Verfügung stellen und benützen Elektroenzephalographen, um bei verschiedenen Stufen des Schlafes Hirnwellendiagramme herzustellen. Einige Resultate dieser Experimente regen sehr zum Denken an und bestätigen alte Lehren, was die Abstufungen des Bewußtseins anbetrifft.

Vor dem "Einschlafen" nehmen die Wellen den sogenannten alpha-Rhytmus an, der Entspannung anzeigt und im Zeitmaß regelmäßiger ist, als der des wachen, munteren Geistes. Er hat eine etwas höhere Spannung und verzeichnet etwa 10 Wellen in der Sekunde. Sobald der Schlaf eintritt, arbeiten Herz und Lunge langsamer, die Körpertemperatur sinkt, und es findet eine Verlangsamung der elektrischen Impulse des Gehirns statt, was mit einer Vermehrung der Spannung verbunden ist. Die zweite Stufe des Schlafes zeichnet auf den Apparat besondere "spindelförmige Wellenlinien", die nach und nach in der dritten Stufe "riesigen langsamen Wellen" weichen (ungefähr eine in der Sekunde). Die vierte Stufe, der tiefste Schlaf, besteht ausschließlich aus diesem, dem delta-Zustand. Temperatur, Atem und Herzschlag sind dann an ihrem Tiefpunkt, und das Wesen ist in traumloses Vergessen versunken. Man fand, daß die meisten Menschen, die längere Zeit ohne Schlaf auskommen mußten, geistig verwirrt werden und unter Halluzinationen leiden. Bei der ersten Gelegenheit verbringen sie fast ihre ganze Zeit unter Ausschluß der Traumphase in dieser vierten Stufe der tiefen "Bewußtlosigkeit", die offensichtlich sehr notwendig ist.

Man hat jedoch gefunden, daß der delta-Zustand im normalen Schlaf zuweilen durch ein Zurückkehren zu den verschiedenen Stufen, die zum Erwachen führen, unterbrochen wird, wenn der Betreffende, statt aufzuwachen, träumt. Die Augen bewegen sich hinter den geschlossenen Lidern hin und her, als würden sie Bilder beobachten. Die Temperatur steigt, die körperlichen Funktionen werden schneller! Diese Stufe wurde REM genannt (Rapid Eye Movement - schnelle Augenbewegung), und Personen, die in dieser Periode aufgeweckt werden, erinnern sich lebhaft der Träume, die sie, wenn sie nicht gestört werden, am Morgen gewöhnlich vergessen haben. Während die Wissenschaftler festgestellt haben, daß bei Erwachsenen REM träumen bedeutet, sind sie nicht in der Lage, die Tatsache zu erklären, daß neugeborene kleine Kinder etwa die Hälfte ihrer Zeit in diesem Zustand verbringen, obgleich man von als Frühgeburten zur Welt gekommenen Kindern wußte, daß sie die ganze erste Zeit ihres Lebens im REM-Schlaf verbringen.

Die Doktoren Howard P. Roffwarg von der Columbia-Universität, Joseph N. Muzio vom Psychiatrischen Institut des Staates New York und William Dement von der Sranford-Universität, drei von vielen bedeutenden Männern, die sich mit der Erforschung des Schlafes befassen, stimmen überein, daß das Träumen augenscheinlich in den pons, einem "sehr primitiven" Teil des Gehirns mit dem Sitz im Hirnstamm, seinen Ursprung hat. Von diesem Teil nimmt man an, daß er durch äußere Einflüsse und Wahrnehmungen nicht beeinflußt wird. Deshalb folgerten sie daraus, - da die Impulse ihren Ursprung in den pons zu haben scheinen und von dort nach außen zur Großhirnrinde verstreut werden, die als der Sitz des menschlichen Denkens betrachtet wird - daß dieses frühzeitige Träumen eine Art Vorbereitung, ein Aufbauen des mentalen Organs bildet. Nun erhebt sich die Frage: "Wer oder was regt diesen Vorgang an?"

Den Forschern ist es natürlich unmöglich, das Bewußtsein, das besonders im Gehirn eines kleinen Kindes Schwingungen verursacht, zu ergründen, aber es können Schlußfolgerungen gezogen werden. REM ist charakteristisch für einen Zustand, der dem physischen Bewußtsein sehr nahe kommt. Der Schläfer wird ganz von jener schattenhaften, scheinbar materiellen Welt in Anspruch genommen, die sich 'über' und 'unter' seinen Wahrnehmungen im wachen Zustand ausdehnt - dem Gedächtnisdepot der Natur. Könnte man daraus nicht folgern, daß das neugeborene Kind, das im Begriff ist, sein Bewußtsein für das, was wir Leben nennen, zu öffnen, hier eine aktive Einführung und Anpassung durchmacht, während das Gehirn für seine zukünftigen Funktionen 'eingewiesen' wird? Man könnte noch weiter gehen und über die gradweise Einbeziehung des Neugeborenen in seine eigene, früher erzeugte karmische Umgebung nachsinnen, sagen wir über sein Einsammeln einiger Elemente durch magnetische Anziehung. Elemente, die es am Ende eines früheren Lebens zurückgelassen hat, und die jetzt diese neue Gelegenheit zu weiterem Wachstum und zu weiterer Entwicklung unter der Schutzherrschaft des sich wieder verkörpernden Egos erwarten.

Im zehnten Buch von Platos Republik befindet sich eine aufschlußreiche Stelle. Sie handelt davon, wie die Sterblichen ihre Wahl über ihr zukünftiges Leben treffen. Sie suchen es im Schoße don Lachesis, der Vergangenheit, aus "Lebensschicksalen und Beispielen" aus. Es ist beachtenswert, daß "die Wahl der Seelen in den meisten Fällen auf ihren Erfahrungen in einem früheren Leben basierte." Nur eine Erweiterung der Erfahrung des Egos in die Vergangenheit kann die unterschiedlichen Voreingenommenheiten jeder einzelnen Wesenheit erklären, die charakteristischen Neigungen und Talente von Kindern und das Träumen der ganz Kleinen, für die die Umgebung noch keine Rolle spielen konnte.

Wo befindet sich dann das Zentrum des Bewußtseins während des gesunden Schlafes des Vergessens? Während der wache und der träumende Geist Gehirnwellen aufzeichnet, die verhältnismäßig schwach, unregelmäßig, von geringer Spannung und auf ein begrenztes Gebiet beschränkt sind, haben die langen, langsamen Wellen des Tiefschlafes eine höhere Spannung und sind über das ganze Gehirn verteilt. Das scheint die Idee zu unterstützen, daß das Individuum im Tiefschlaf zu einer Energiequelle in sich selbst Zugang hat, deren langsamere, mächtigere Schwingungen durch die ganze Konstitution widerhallen und den vielen verwandten Teilen, die zusammen die ganze Wesenheit des Menschen bilden, Nahrung geben. Ebenso wie der Geist nicht direkt auf die Materie wirken kann, so muß diese zentrale Macht im Innern heruntergeschaltet werden, muß nach und nach in eine Reihe niedrigerer Spannungen, die der physische Organismus aushalten kann, umtransformiert werden.

Eine ähnliche Frage erhebt sich: das menschliche Gehirn ist im Vergleich zu dem der Tiere groß und schwer, aber nur bei seiner äußersten Schicht, der Großhirnrinde, fand man, daß sie beim Denkprozeß tätig ist. Da nichts ohne Zweck existiert, welchem inneren Teil von uns wird mit seinem inneren Großteil gedient?

Wie die physische Welt um uns der sichtbare Teil eines unendlichen Lebensbereiches ist, so ist unser Körper nur ein Knoten am endlosen Bewußtseinsfaden, an dem unsere innerste Erkenntnis entlanggleitet. Er kann in unergründliche Angstgefühle eintauchen oder sich zu wunderbaren Visionen vom innersten Wesen des Seins erheben. Die Philosophie der Hindus erwähnte vier Hauptstufen des menschlichen Bewußtseins: den Zustand des Wachens, des Träumens, des Tieftraumes, an den wir uns gewöhnlich nicht mehr erinnern können, weil er jenseits der Funktion des Gehirns liegt, wenn er auch bei uns ein unerklärliches Nachschwingen der Verwunderung zurücklassen kann, und den vierten und höchsten Zustand, der so erhaben ist, daß er in seiner Fülle nur von jenen ungewöhnlichen Menschen erreicht wird, die spirituell reif sind, obwohl er irgendwann in der Zukunft ohne Zweifel für die ganze Menschheit die Norm werden wird.

So haben wir zu vielen Ebenen Zugang, von der Ekstase wahrer Erkenntnis, bis zur Beschäftigung mit materiellen Bagatellen, wobei jeweils etwas in der Natur tätig ist, das ihr völlig entspricht. Selbst wenn wir träumen, können wir wissen, daß wir schlafen, während wir uns manchmal "zwicken", um uns zu vergewissern, daß wir wach sind. Solche Erfahrungen beweisen die Vielfalt unseres eigenen Wesens. Gewöhnliche Träume beziehen sich nur auf den Teil von uns, der während des Tages aktiv ist und sind bloße Schatten oder Echos der Eindrücke während des Wachens. Auf tieferen Stufen des Schlafes ist dann wahrscheinlich ein edleres Bewußtsein rege, das sein objektives Leben in den oberen Teilen unserer Konstitution lebt, wo die Wesenheit am spirituellen Reich tätigen Anteil nimmt, das seine Heimat ist. Die Folge ist, wie gesagt, oft ein außergewöhnliches Gefühl des Wohlbefindens, als hätten wir aus den inneren Welten eine Atmosphäre ungewöhnlicher Freude und Stärke mitgebracht.

Das Göttliche hat sich oftmals auf unseren Schlummer

Herabgesenkt. Und die gesegneten Scharen haben sich

In der Stille und Ruhe der Seele mit uns unterhalten.

- Shirley

Ein Teil von uns ist in den Sphären, die wir während der Nacht besuchen, ganz zu Hause. Es ist so behaglich, sich niederzulegen und einzuschlafen, wenn auch der dünne Faden des Magnetismus die lebende Wesenheit an ihren Körper bindet, so daß das Aufsuchen dieser inneren Bereiche so normal ist, wie das Atmen, denn dann ist der Geist mit seiner natürlichen Umgebung vereint, die Batterien des Körpers werden aufgeladen, und das Gleichgewicht wird wieder hergestellt. Die Ebbe und Flut der Vitalität ist bei den Einzelnen unterschiedlich. Manche werden erst am Abend lebendig, andere gehen mit den Hühnern zu Bett. Nach entsprechender Ruhe erheben wir uns jedoch für gewöhnlich innerlich erfrischt. Wie beschwerlich unsere irdische Erfahrung zuweilen auch sein mag, der Lebenslauf wurde von der Seele gewählt und kann letzten Endes nicht umgangen werden. Wenn der Körper im entsprechenden Verlauf verbraucht ist und seine Batterien keine Ladung mehr aufnehmen, wird das wahre Selbst von der Bedrängnis des physischen Daseins befreit, bis es nachdem die notwendige Ruheperiode zu Ende ist, wieder einmal die Wahl trifft am Erdenleben teilzunehmen und einen weiteren Schritt vorwärts zur Vollkommenheit zu tun. Die alten Griechen haben uns ein wertvolles Vermächtnis hinterlassen in dem Spruch: "Schlaf und Tod sind Brüder."